Städtisches „Handlungsprogramm Flüchtlinge“

Oberbürgermeister Thilo Rentschler möchte in der Flüchtlingsdebatte ein deutliches Zeichen setzen. Das rund zehn Seiten umfassende Papier ist von einer stadtinternen Arbeitsgruppe unter der Federführung des OBs erstellt worden. Das Programm enthält neben einer Darstellung bereits laufender Maßnahmen zur Integration und Bildung weitere konkrete Hilfsangebote, wie z.B. die Wohnraumvermittlung und die Schaffung einer zentralen Beratungsstelle für Flüchtlingsfragen bei der Stadtverwaltung.

Flüchtlingskinder aus Syrien in Antakya/Hatay
Flüchtlingskinder aus Syrien in Antakya/Hatay (© dpa)

„Wir stehen erst am Anfang, aber die Stadt Aalen möchte ihren Beitrag leisten, um in enger Abstimmung mit dem Landkreis ein Zeichen für Menschlichkeit und Toleranz zu setzen“, betonte Oberbürgermeister Rentschler beim Pressegespräch im Rathaus. Glücklicherweise sei in Aalen bereits ein sehr gut funktionierendes Netzwerk vorhanden, auf dessen Grundlage man sehr gut aufbauen könne. „Der Staat kann diese Herausforderung allein nicht schultern, es braucht die Zivilgesellschaft dazu. Ich bin froh und dankbar, dass wir die karitativen und kirchlichen Einrichtungen haben“, sagte der Oberbürgermeister.

Zur Zeit befinden sich in Aalen rund 300 Personen in verschiedenen, dezentralen Sammelunterkünften, die vom Landkreis betreut werden. Im Weiteren hat die Stadt Aalen allein in den letzten vier Jahren für ca. 150 geduldete bzw. anerkannte Flüchtlinge eine Anschlussunterbringung auf dem Wohnungsmarkt organisiert. Für 2015 und 2016 hat die Stadt Aalen noch weitere Flüchtlinge in Sammelunterkünften auf Aalener Gemarkung unterzubringen. Hinzu kommen noch Personen, für die im Rahmen der Anschlussunterbringung die Stadt direkt zuständig sein wird.

Möglichkeiten der Wohnraumbeschaffung

Hierfür plant der Oberbürgermeister nach Absprache mit den Ortsvorstehern, der städtischen Wohnungsbau und den Kirchengemeinden einen gemeinsamen Aufruf an die Bevölkerung zu richten, privaten Wohnraum zu vermieten. Vertragspartner für die Vermieter könnten dann die Wohnungsbau oder die Kirchengemeinden sein, erläuterte der OB das Mietmodell. „Schon jetzt werden uns immer wieder Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten.“

Auch für die benötigten Sammelunterkünfte gibt es bereits von Landrat Pavel einen Lösungsvorschlag, der noch im Gemeinderat und Kreistag beraten werden muss. Die Stadt Aalen kann Grundstücke zur Verfügung stellen, auf denen der Landkreis im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit dem DRK ein modulares Haus erstellen möchte, in dem Platz für ca. 50 – 60 Personen sein wird. Diese Modellunterkunft soll in solider Holzbauweise erstellt werden. Landrat und Oberbürgermeister sind sich sicher, dass das Haus als Modell für andere Kommunen landesweit dienen könnte.

Chancen der Beschäftigung und Weiterbildung

Die Stadtverwaltung beabsichtige Flüchtlinge als sog. Volunteers bei den städtischen Betrieben oder zum Beispiel im Stadtwald einzusetzen. Darüber hinaus will sich die Stadt bei den regionalen Unternehmen für die Beschäftigung von Flüchtlingen im Rahmen von Minijobs oder Praktika engagieren. Hier habe man von einer Vielzahl der Aalener Unternehmen bereits positive Signale erhalten und werde diesen Weg weiterverfolgen.

Auch Chancen auf eine qualifizierte Ausbildung der Asylsuchenden will die Stadt verbessern. Oberbürgermeister Rentschler will dem Land aufgrund der bisher positiven Erfahrungen mit dem Aalener Projekt „Azubi statt ungelernt“ eine Ausweitung des Förderprogrammes vorschlagen. Auch Asylbewerber sollen die Möglichkeit haben, eine Ausbildung zu absolvieren. „Fast nichts hilft besser als eine Ausbildung“, betonte der OB, „auch bei einer möglichen Rückkehr ins Herkunftsland“.

Einrichtung einer kommunalen Beratungsstelle für Flüchtlinge

Um die Hilfsangebote und alle Anliegen zur Flüchtlingsthematik besser zu koordinieren und zu bündeln, will die Stadt mit finanzieller Unterstützung durch die Landesbank eine lokale Beratungsstelle einrichten. Bildungsträger, Unternehmen, Arbeitsamt und engagierte Bürger finden hier eine kompetente Anlaufstelle. Bereits jetzt sei man in Aalen im Bereich der Integrationshilfe sehr gut aufgestellt, konnte der Leiter des Amtes für Bürgerservice und öffentliche Ordnung, Michael Felgenhauer, berichten.

Mit dem Integrationsbeauftragten Christian Kolb und der Integrationskoordinatorin Claudia Glemser, die seit 1. Juli bei der Stadt beschäftigt ist, sind hier qualifizierte Ansprechpartner auch für das „Handlungsprogramm Flüchtlinge“ vorhanden. Felgenhauer berichtete über bereits stattgefundene und geplante Veranstaltungen zur Integrationsförderung – wie Fußballturniere, Ausstellungen oder Informationsveranstaltungen.

Sprachförderung – Deutsch und Integrationskurse

Bereits seit Jahren leistet die Stadt Aalen in enger Zusammenarbeit mit dem Landratsamt sehr gute Arbeit bei der Betreuung von Asylsuchenden und Flüchtlingen. An erster Stelle steht das Erlernen der deutschen Sprache. „In den städtischen Kitas wird seit Jahren intensive Sprachförderung durchgeführt. Wir beabsichtigen das erfolgreiche Aalener Sprachförderungsmodell mit Hilfe des Bundes noch weiter auszubauen“, sagte die Leiterin des Amtes für Jugend und Familie Katja Stark.

In den Aalener Kinderbetreuungseinrichtungen wird nach dem Aalener Sprachfördermodell eine intensive Sprachförderung betrieben. Dazu gehören neben der Qualifizierung des Erziehungspersonals zur Sprachpädagogin/zum Sprachpädagogen (inzwischen 45 in Aalen) auch spezielle Fortbildungen in interkultureller Kompetenz. Das Resultat ist sehr positiv. Die Kinder haben ihre Sprachkenntnisse nachweislich um 25 % verbessern können.

Auch die Eltern erhalten in einem Projekt des Deutschen Roten Kreuzes die Möglichkeit in Kursen Deutsch zu lernen. Flüchtlinge, die eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, sind verpflichtet einen Integrationskurs zu besuchen. Im Jahr 2014 hat die Volkshochschule Kurse für 500 Teilnehmer durchgeführt.